Rückblick auf den 7. Berliner Demokratietag 2026
Am 13. September 2026 wurde der Blücherplatz vor der Amerika-Gedenkbibliothek zum Treffpunkt für Berlins vielfältige Zivilgesellschaft: Über 50 Vereine, Initiativen, NGOs und Unternehmen waren beim Mitmachfest zum 7. Berliner Demokratietag dabei – mit kreativen Aktionen, Workshops, Musik, Sport, digitalen Angeboten und vor allem mit vielen Begegnungen und Gesprächen.
Alexander Straßmeir, Staatssekretär für Gesellschaftlichen Zusammenhalt, und Beate Stoffers, Geschäftsführerin der Stiftung Zukunft Berlin, eröffneten das Mitmachfest zusammen mit Jonas Fansa, Direktor der Zentral- und Landesbibliothek Berlin:
„Demokratie zu stärken bedeutet heute mehr denn je, im Gespräch zu bleiben – auch dort, wo Positionen weit auseinanderliegen. Genau dafür braucht es Orte, an denen Menschen zusammenkommen, sich begegnen, miteinander ins Gespräch kommen. Die Veranstaltungen im Rahmen des Berliner Demokratietags luden kleine und große Berlinerinnen und Berliner dazu ein, die Zukunft unserer Stadt gemeinsam zu gestalten.“ (Beate Stoffers)
Menschen probierten beim Mitmachfest Neues aus, brachten ihre Ideen ein, wurden kreativ, machten Musik und bewegten sich. Ob Siebdruck, Demokratie-Quiz, VR, Traumstadt-Workshop oder Bühnenprogramm: An diesem Nachmittag wurde sichtbar, wie viele Menschen sich in Berlin engagieren und wie vielfältig die Möglichkeiten sind, sich einzubringen.
Doch wie bleiben wir miteinander im Gespräch, wenn politische Positionen weit auseinanderliegen? Und wie kann Zusammenarbeit auch dort gelingen, wo es unterschiedliche Erfahrungen, Interessen und Perspektiven gibt?
Zum Internationalen Tag der Demokratie am 15. September 2026 diskutierten wir diese Fragen in der Urania. Impulse von Dr. Greta Groß vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Historiker, Journalisten und Autor Georg Diez eröffneten den Abend. Auf dem Panel teilten Dominik Chadid, Klimaschutzbeauftragter des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf von Berlin, und Raiko Hannemann aus dem Bürgerrat Marzahn-Hellersdorf, Ina Metzner vom nexus Institut und Laura Kiehne, Gründerin des Respektraum e.V., ihre Erfahrungen aus unterschiedlichen Beteiligungsformaten und brachten konkrete Ideen für Bürgerbeteiligung fernab von Parteizugehörigkeit ins Gespräch.
Moderiert von SZB-Geschäftsführerin Beate Stoffers brachten wir mit dem Mentimeter ein digitales Partizipationstool zum Einsatz, um unser Publikum in die Diskussion einzubringen. Im Mittelpunkt stand dabei eine Frage, die weit über diesen Abend hinausweist: Wie können wir Unterschiede aushalten, miteinander streiten und trotzdem gemeinsam an unserer Stadt arbeiten?
Dr. Greta Groß hob hervor, dass in unserer Gesellschaft die affektive, also auf Emotionen basierende Polarisierung gestiegen sei, dies aber auch die Chance auf eine höhere politische Beteiligung böte. Ihre Forschung untersucht außerdem wie mit psychologischen Maßnahmen affektive Polarisierung abgebaut und Empathie erlernt werden kann. Dialog funktioniere allerdings nicht immer sofort, weshalb es im Miteinander wichtig sei, sich zunächst menschlich näher zu kommen statt gleich auf politische Konfliktthemen zu fokussieren.
Der Impuls von Georg Diez schloss daran an und betonte, dass Demokratie in mehr bestehe ist als bloß in Wahlen. Die gegenwärtige Demokratie habe ihm zufolge allerdings ein Form- und Inhaltsproblem, sodass er mehr lokale Initiativen und Bürgerräte als Alternativen vorschlägt. Wir müssten „Demokratie als Designgegenstand begreifen, den wir gestalten können. Veränderung kommt dabei aus der Zivilgesellschaft: sie ist die Schule der Demokratie und muss sie erzwingen“. Im Panel wurden diese Ideen konkreter:
Laura Kiehne vom Respektraum stellte Thesen vor, über die unterschiedlichste Menschen ergebnisoffen ins Gespräch kommen können. Laut ihr „haben Menschen ein intrinsisches Bedürfnis, mit anderen Menschen im Austausch zu sein; es ist erhebend, belebend und gibt Wert zurück“, daher sei unter anderem „die Kneipe ein wunderbarer Ort“.
Dominik Chadid und Raiko Hanneman vom Bürgerrat Marzahn-Hellersdorf machten wiederum deutlich, dass Menschen sich bei der Lösung eines Problems schnell sichtbare Ergebnisse wünschten, die sich im alltäglichen Leben niederschlügen – z.B. die Entsiegelung eines bestimmten Platzes. Solche Resonanzerfahrungen seien zentral, um motiviert zu sein und sich langfristig zu beteiligen.
Ina Metzner von nexus organisierte den Dialogprozess rund ums Tempelhofer Feld, bei dem die Vermittlerrolle besonders wichtig war. Dabei verfolgte ihre Institution keine politische Agenda und agierte so transparent wie möglich.
Sowohl Chadid und Hannemann als auch Metzner betonten Voraussetzungen für gelungene Beteiligungsformate: man müsse Räume schaffen, in denen Menschen ohne große Hürden zusammenkämen, wo die Kinderbetreuung geklärt und die Uhrzeiten bewusst gewählt seien, wo es eine Aufwandsentschädigung gäbe und die Menschen sich wohlfühlten. Denn wer gehört wird und zuhören kann, sei zur Veränderung bereit, so der Konsens auf dem Panel. Auf diese Weise könnten, meinte Ina Metzner, „Enkel-Momente entstehen, also Momente, von denen wir noch unseren Kindeskindern erzählen“.






































